***** Als am 08.12.1980 John Lennon von Mark David Chapman vor seinem New Yorker Apartment erschossen wurde, endeten jegliche Spekulationen um eine Wiedervereinigung der Fab-Four. Johns am 15.11.1980 veröffentlichtes Album „Double Fantasy“, die daraus ausgekoppelten Singles „Starting Over“, „Woman“ und „Watching The Wheels“ sowie seine alten Platten der Jahre 1969 bis 1975 waren in der ersten Hälfte des Jahres 1981 weltweite Bestseller. Auch die Nachfrage nach den alten Platten der Beatles sowie die von John, Ringo und George stieg sprunghaft an. Paul verzichtete auf eine Plattenveröffentlichung im Jahre 1981, er wollte aus dem Tod seines alten Freundes bewußt kein Kapital schlagen (er hatte es allerdings auch nicht nötig). Ringo veröffentlichte nach drei Jahren Pause das Album „Stop And Smell The Roses“ und landete mit „Wrack My Brain“ nach vielen Jahren wieder einen respektablen Hit. Auch andere Künstler und Gruppen versuchten, aus dem Tod von John Lennon Kapital zu schlagen. Bis auf Roxy Music, die im Frühjahr 1981 mit einer Version des John Lennon Titels „Jealous Guy“ einen internationalen Tophits landen konnte, waren diese Versuche der Leichenfledderei wenig Erfolg beschieden. George Harrison veröffentlichte im Frühjahr 1981 sein zehntes Album „Somewhere In England“. Ihm kann man allerdings nicht den Vorwurf machen, er habe diesen Zeitpunkt bewußt zur Veröffentlichung gewählt. Wahrscheinlich wäre das Album so oder so erschienen. Wäre John Lennon nicht ermordet worden, wäre „Somewhere In England“ ebenso wie Ringos „Stop And Smell The Roses“ wohl kaum beachtet worden. Musikalisch stand das Jahr 1981 voll im Zeichen der New Romantic, einer Spielart des New Wave. Musiker und Gruppen wie OMD, Depeche Mode, Spandau Ballet, Visage, Adam & The Ants etc. gingen nach dem Motto vor „Wer sieht so aus und klingt wie Roxy Music und David Bowie“ und veröffentlichten zum Teil unglaublich komische Platten (die Originale waren auch noch erfolgreich und um Welten besser als ihre teilweise lächerlichen Epigonen). Inmitten diesem Trend wirkte ein Musiker wie George Harrison wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Allerdings bewies George mit „Somewhere In England“, das er noch lange nicht zum alten Eisen gehörte. Die 10 Stücke klingen typisch nach George Harrison, wirken aber erstaunlich zeitgemäß und keineswegs antiquiert. Stücke wie „Blood From A Clone“, „Unconsiousness Rules“, „That Which I Have Lost“, „Hong Kong Blues“ und „Save The World machen das deutlich, allesamt flotter Poprock, die zwar nicht unbedingt zu den Höhepunkten im Schaffen des George Harrison gehören, aber dennoch kurzweilige Unterhaltung bieten. Seine eindeutige Stärke liegt in den ruhigen, besinnlichen Stücken. „Writing On The Wall“, „Life Itself“ und „Baltimore Oriole“ unterstreichen das nachhaltig. Als Zückerchen bleibt „All Those Years Ago“, mit dem George Mitte 1981 einen internationalen Tophit landen konnte, sein erster Top 10 Erfolg seit „Give Me Love (Give Me Peace On Earth)“. Viele verstanden dieses Lied an eine Hommage an seiner ermordeten Freund und ehemaligen Bandkumpel John Lennon. Und in der Tat, textlich deutet einiges drauf hin und das Lied selber klingt wie eine Nummer aus der Feder von John und der große Erfolg von „All Those Years Ago“ sei George allemal gegönnt. Unter dem Strich ist „Somewhere In England“ ein recht stimmiges Album, das zwar nicht unbedingt George bestes Werk ist, allerdings auch nicht enttäuscht. Harrison Fans werden es sicher mögen. |